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Nacht(ge)schichten

[Stimmung: melancholisch ]

[Musik: Jennifer Rostock-Keine Nacht ]

Vor nicht allzu langer Zeit hab ich die Nächte geliebt. Es gab für mich nichts schöneres am ganzen Tag, als wenn es endlich dunkel wurde. Ich liebte die Sterne und bin manchmal nächtelang freiwillig aufgeblieben, um die Ruhe zu genießen. Nachts hatte ich das Gefühl, dass die Welt sich langsamer dreht und es tat mir aus irgendeinem Grund gut, zu wissen, dass um mich herum die Menschen gerade friedlich schliefen, während ich wach war und die Welt ohne sie genoss.

Ich war schon immer ein Nachtschwärmer, das bin ich auch heute noch. Und trotzdem hat sich in den letzten Monaten etwas verändert. Es ist, als wäre meine Nacht nicht mehr meine Nacht. Sie ist mir fremd geworden - als hätte jemand sie mir weggenommen. Und ich weiß auch, wie dieser jemand heißt, er heißt BORDERLINE.

Ich hab wieder heftige "Schübe" seit letztem Herbst und genau das war auch die Zeit, in der sich "meine Nacht" veränderte. Mittlerweile fühle ich mich zu dieser Zeit genauso unwohl wie am Tag. Ich weiß nicht, was es genau ist, ich kann es nicht in Worte fassen, aber ich will zumindest versuchen, meine Gedankengänge ein wenig verständlicher zu machen. In meinem Kopf sind sie es schon, da klingt das alles ganz logisch. Aber mein Kopf hat schon immer eine andere Sprache gesprochen als der Rest der Welt.

Es war sicher ein schleichender Prozess, wie so oft, nur dass ich es mal wieder erst mitbekam, als es schon zu spät war. Plötzlich war meine Dunkelheit kein Schutzmantel mehr, sondern eine Zwangsjacke. Plötzlich war die Stille nicht mehr angenehm, sondern kreischte mir lauter in die Ohren als jeder Alltagslärm es je könnte. Plötzlich kamen statt Kreativität nur noch Flashbacks. Plötzlich ging ich nicht mehr ins Bett, weil ich es nicht konnte - anstatt es wie früher nicht zu wollen. Wie gesagt, vermutlich war es gar nicht so plötzlich, aber es kommt mir rückblickend so vor.

Meine Nacht hat mir immer Halt gegeben, ich konnte mich entspannen und abschalten und wieder klarkommen. Heute bin ich am Morgen erschöpfter als am Abend zuvor. Die Gedanken kommen nicht mehr zur Ruhe, sondern rebellieren wie nie zuvor. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich absichtlich nach Triggern suche, denn nach der Dämmerung triggern mich auf einmal Dinge, die ich tagsüber gar nicht beachte. Mir fällt die Decke auf den Kopf und schließt die bösen Gedanken ein, sodass sie nicht mehr entweichen können. Und der Druck wird größer.

Ich habe das Gefühl, wieder mal ein Stückchen Kontrolle abgeben zu müssen und das passt mir gar nicht. Ich habe das Gefühl, dass mir diese verdammte Störung jeden Tag mehr ins Handwerk pfuscht, egal wie sehr ich mich um das Gegenteil bemühe. Das ist frustrierend.

In solchen Momenten verstehe ich, warum so viele Borderliner resignieren und sich lieber irgendwann das Hirn rausschießen, um sich dieser Shice nicht mehr stellen zu müssen - warum auch nicht, wenn es ja doch nichts bringt?!? Hätte ich Jan nicht, wäre ich mit tödlicher Sicherheit auch einer dieser Kandidaten! Aber ich habe ihn und deswegen wird mir nichts anderes übrig bleiben, als weiterzukämpfen.

Ich wünschte, ich könnte mich erinnern, wie die Geschichte von dem anderen Typen ausging, der auch gegen Windmühlen kämpfte...

29.4.09 00:05


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